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Bauhaus 1919 bis 1933
„Bauhaus“, welch ein eigenartiger Name in dieser Kombination – das Wort „Bau“ und das Wort „Haus“ - in einem Substantiv vereint. In Deutschland assoziieren wohl viele Menschen mit dem Namen Bauhaus zuerst einmal eine große Baumarktkette, wobei die Assoziation vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist. Was findet man in einem Baumarkt? – eben Sachen in riesigen Stückzahlen, einfach und zum selber bauen, für die Masse produziert und daher preiswert. Ideen, die auch im kunsthistorischen Bauhaus ihren Platz gefunden haben.
Gehen wir aber einmal vom 21. Jahrhundert in das 20. Jahrhundert zurück, welches erst vor einer Dekade geendet hat.
In der Geschichte des 20. Jahrhunderts nimmt der Begriff Bauhaus in den Bereichen Kultur, Architektur und Design eine ganz besondere Rolle ein und vielleicht kann man den Namen besser verstehen, wenn man die bewegte, wenn auch kurze Geschichte des Bauhauses kennen gelernt hat. Bis heute nimmt die Bauhaus-Bewegung immer noch Einfluss auf die Gestaltungen in vielen Bereichen unseres Lebens, sei es in der Architektur, im Design und in Bereichen des Industriedesigns, in der Malerei oder im Denken über sozialökonomische Themen.
Die „Kinder und „Enkel“ der „Väter“ und „Großväter“ tragen in ähnlicher oder abgewandelter Form die Ideen des Bauhauses weiter und werden uns auch über die zweiten Dekade unseres Jahrhunderts hinaus begleiten.
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Die Meister auf dem Dach des Bauhausgebäudes in Dessau, von links: Josef Albers, Hinnerk Scheper,
Georg Muche, László Moholy-Nagy, Herbert Bayer, Joost Schmidt, Walter Gropius, Marcel Breuer,
Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger, Gunta Stölzl und Oskar Schlemmer.
Walter Gropius (*1883 bis †1969) gründet im Jahr 1919 in Weimar das Bauhaus mit dem Ziel, die bis dahin vorhandene Trennung von Kunst und Produktion aufzuheben durch eine Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen als Grundlage allen künstlerischen Schaffens. Im „Bau der Zukunft“ sollen alle Künste verbunden werden. Walter Gropius sieht den Weg zu diesem Ziel in neuen pädagogischen Methoden und im Handwerk als Voraussetzung jeder Kunst: "Die Schule soll allmählich in der Werkstatt aufgehen".
Folglich arbeiten am Weimarer Bauhaus Künstler und Handwerker gemeinsam in Lehre und Produktion. Auf diese Weise soll die bis dahin vorhandene Trennung zwischen freier und angewandter Kunst aufgehoben werden.
Das von Walter Gropius im Jahr 1922 entworfene Programm zeigt die Grundlagen der Lehre des Bauhauses in anschaulicher Form auf:
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Das Studium am Bauhaus ist aufgeteilt in drei Abschnitte. Die Vorlehre besteht aus einem halben Jahr Formunterricht und Materialübungen. Danach erfolgt die Aufnahme in die Werklehre. Dabei kann zwischen verschiedenen Lehrwerkstätten gewählt werden. Der dritte Abschnitt besteht aus der Baulehre, also der Mitarbeit am Bau. Als Abschluss wird ein Meisterbrief der Handwerkskammer und bei besonderer Begabung auch des Bauhauses vergeben. Einige der Schüler des Bauhauses arbeiten nach ihrer Ausbildung als Meister am Bauhaus weiter.

Die Erziehung zum Künstler soll nicht mehr in Klassen von Professoren, wie an Hochschulen erfolgen, sondern im handwerklichen Umgang mit den Objekten.

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Lehrstellenanzeige des Bauhauses Plakat zur Bauhaus Ausstellung in Weimar, 1923
in der Weltbühne vom 28. April 1925
Die leitenden Lehrer in den Werkstätten werden also nicht Professoren genannt, sondern „Formmeister“. Ihnen steht jeweils ein Werkmeister unterstützend zur Verfügung, der die Grundlagen des Handwerks beherrscht. Formmeister wie Johannes Itten, Walter Gropius, László Moholy-Nagy, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gerhard Marcks, Ludwig Mies van der Rohe, Wilhelm Wagenfeld und Hannes Meyer sind nur einige der berühmten Lehrer.
Ein weiterer massiver Grund zwingt die Meister des Bauhauses, zu denen sich mit der Zeit immer mehr herausragende Architekten und Designer gesellen, zum weiterdenken.
Die immerzu technischer werdende Zivilisation, der Trend, in Ballungsgebieten und Städten zu leben und zu arbeiten, veranlasst das Bauhaus zu einem weiteren Schritt mit einem erweiterten Programm unter dem Leitsatz: „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Die Möglichkeiten der Industrie sollen für das Ziel einer funktional und ästhetisch befriedigenden Gestaltung eingesetzt werden. In den Bauhauswerkstätten entstehen Vorbilder, die für die Massenproduktion bestimmt sein sollen, also der Nachfrage der Menschen angepasst werden sollen, von der Lampe bis hin zur Wohnungseinrichtung und dem Wohnhaus. Sicherlich kann dieser sehr hohe Anspruch nicht aus dem Stand erfüllt werden und das Bauhaus ist mit dieser Aufgabenstellung auch nicht allein, das Umdenken ist aber angestoßen und nimmt seinen Lauf.
1925 erfolgt der Umzug von Weimar nach Dessau, ab 1926 im Gebäude des Bauhauses Dessau.
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Bauhaus Dessau 1926-1932
1996 wird das Bauhaus-Gebäude in Dessau in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
Es ist heute Sitz der 1994 gegründeten Stiftung Bauhaus Dessau.
Im April 1928 übergibt Walter Gropius die Leitung des Dessauer Bauhauses an den Schweizer Architekten Hannes Meyer, dessen Fokus darauf liegt, Produkte des täglichen Lebens für die breite Bevölkerungsschicht bezahlbar zu machen, was ihm auch durch die Ausrichtung auf die Kosten sparende industrielle Massenproduktion größtenteils gelingt. Mit dem Vorwurf seiner kommunistischen Orientierung wird der Direktor Hannes Meyer von der Stadt Dessau entlassen.
1930 übernimmt Ludwig Mies van der Rohe die Leitung des Bauhauses in Dessau.
1931 gewinnen die Nationalsozialisten die Gemeinderatswahlen in Dessau. Dies hat leider tiefgreifende Einwirkung auf die Bauhaus-Bewegung, denn 1932 musste das Bauhaus zum zweiten Mal umziehen, diesmal nach Berlin, aber schon kurze Zeit später, im Jahr 1933, wurde die Institution von den Nationalsozialisten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.
Das 1937 in Chicago gegründete New Bauhaus war die unmittelbare Nachfolgeschule des Bauhauses in Deutschland. Zwar wirkten Bauhaus-Ideen auch andernorts in Amerika fort, doch wurde allein am New Bauhaus prinzipiell das volle, in Weimar und Dessau unter Walter Gropius entwickelte Ausbildungsprogramm aufgenommen und weiterentwickelt.
Der Einfluss des Bauhauses ist so bedeutend, dass umgangssprachlich der Begriff Bauhaus oft auch mit der Moderne in Architektur und Design gleichgesetzt wird. Wir sprechen in unserem Kontext besser von Bauhaus und Modernen Klassikern.