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Mart Stam PDF Drucken E-Mail
* 5. August 1899 in Purmerend, Niederlande
† 23. Februar 1986 in Goldbach, Schweiz
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Mart Stam, mit vollem Namen Martinus Adrianus Stam, ist in erster Linie Architekt. Im Möbel Design wurde er berühmt durch seine erstmalig ohne Hinterbeine mit einem durchgängig tragenden Stahlrohrrahmen konstruierten Stühle und Prototypen, die Freischwinger S 33 und S 34.
Was verbindet man unter vielem anderen neben Rudi Carrell mit Holland? – ja, nette Menschen, gute Fußballer, Tulpen aus Amsterdam, Frau Antje mit ihrem leckeren Käse, viele Autos mit Wohnwagen auf verstopften deutschen Autobahnen und natürlich auch Fahrräder. Beim Betrachten eines Fahrrads hat Mart Stam die Idee zu seinem Freischwinger, bei dem durch die revolutionäre Stahlrohrkonstruktion auf die Hinterbeine verzichtet wird.
Er zeigte diese Entwürfe unter anderem Ludwig Mies van der Rohe während eines Treffens der Architekten der Weißenhofsiedlung, der ebenso wie Marcel Breuer, von dieser revolutionären Idee inspiriert, diesen Stahlrohrprototypen abwandelt und weiterentwickelt.
Letztendlich kommt es zum Streit zwischen Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe sowie Marcel Breuer darüber, wer denn nun der eigentliche Urheber und Erfinder dieser Stuhlidee ist. Mart Stam wird in letzter Instanz als Erfinder des Freischwingers erklärt.

Nach dem Erwerb eines Zeichenlehrerdiploms und einer Schreinerlehre arbeitet Mart Stam von 1919 bis 1922 im Architektur- und Städtebaubüro von Granpré-Molière, Verhagen und Kok in Rotterdam.

Stam siedelt 1922 nach Berlin über und arbeitet unter anderem mit dem Architekten El Lissitzky zusammen, dem er bis zu dessen Tode freundschaftlich verbunden bleibt. Lissitzkys Architektur- und Gesellschaftsvisionen blieben nicht ohne Einfluss auf Stams funktionalistische und sozialethische Prinzipien des Neuen Bauens.

Stams hoher Bekanntheitsgrad als Erneuerer der Architektur ist von seiner publizistischen Tätigkeit nicht zu trennen. Ernst May, der Leiter des Frankfurter Hochbau- und Siedlungsamtes und Initiator des Projekts "Das Neue Frankfurt", ermöglicht Stam 1928 nach dem CIAM-Kongress die praktische Umsetzung seiner städteplanerischen Ideen durch den Auftrag zum Bau der Hellerhofsiedlung mit 800 Wohnungen. Stam hat nun sein Thema und seine Bestimmung gefunden, nämlich den funktionalen und sozialen Wohnbedarf für das Existenzminimum.

Die Vollendung des letzten Bauabschnitts verlief jedoch nicht mehr unter Stams Regie. 1930 verlässt er Frankfurt und fährt mit der Architektengruppe um Ernst May in die damalige UdSSR, um sich an den groß angelegten Städteplanungen für Magnitogorsk, Makejevka und Orsk zu beteiligen.

Stam verlässt die Sowjetunion 1934 wieder, da sich die Forderungen der für die Architektur verantwortlichen Politiker nicht mit seinen Vorstellungen decken und er sich deren Diktat nicht unterwirft.

Dass Stam seinen sozialistischen Idealen eines "menschlichen Funktionalismus" treu bleibt, erklärt seine Übersiedlung 1948 in die SBZ, die spätere DDR. Unter Stams Leitung wurden die Dresdner Kunstakademie und die "Hochschule für Werkkunst" 1948 zur "Akademie für Bildende und Angewandte Künste" vereinigt. Seine Ziele für eine Reform der Gestaltung sind weit gesteckt und besitzen im Bauhaus den beispielgebenden Schultypus. Stam selbst lehrt im Wintersemester 1928/29 als Gastdozent am Dessauer Bauhaus. Das Konzept einer Synthese der Künste unter dem Primat der Architektur stieß jedoch auf den Widerstand vieler Vertreter der traditionellen Künste in Dresden.

Im Mai 1950 übernimmt er die Leitung der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Seiner kurzen Amtszeit verdankt die Schule eine klare Struktur des Ausbildungssystems, die der Gliederung des Studienganges am Bauhaus entlehnt ist.

Im Januar 1953 verlässt er mit Frau Olga die DDR und kehrte nach Holland zurück, wo er bis 1955 im Amsterdamer Büro von Merkelbach und Elling mitwirkt.

Nach mehr als zehnjähriger selbstständiger Arbeit als Architekt zieht sich Mart Stam mit seiner Frau in die Schweiz zurück, jahrelang unerreichbar für viele Freunde und Bekannte.

Mart Stam stirbt am 23. Februar 1986 im Alter von 87 Jahren in Goldbach (Schweiz).
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