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Ludwig Mies van der Rohe PDF Drucken E-Mail
* 27. März 1886 in Aachen
† 17. August 1969 in Chicago
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Mit 27 Jahren fügt Ludwig Mies den Mädchennamen seiner Mutter zu seinem Nachnamen hinzu und nennt sich seitdem Ludwig Mies van der Rohe. Schon früh, im Alter zwischen elf und 14 Jahren zeichnet sich der Weg Ludwigs ab. In der Aachener Dombauschule erlernt er bei seinem Vater das Steinmetzhandwerk, mit 17 Jahren arbeitet er als Zeichner in einem Architekturbüro seiner Heimatstadt, bevor er mit 19 Jahren nach Berlin geht, um dort mit Bruno Paul zusammen zu arbeiten.

Bruno Paul, zwölf Jahre älter als Mies van der Rohe, wird zu dieser Zeit Hochschullehrer und Leiter des Kunstgewerbemuseums Berlin. Im Jahre 1907 ist er einer der Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Dort schreibt man sich die Etablierung von kunstgewerblichen Produktionen auf die Fahnen, die Einführung neuer Materialien und Konstruktionen, eine neue Sachlichkeit, weg von den alt hergebrachten Formvorbildern mit ihrer reichhaltigen Ornamentik.

Zwischen 1908 und 1911 arbeitet Ludwig im Architekturbüro von Peter Behrens. Behrens, damals Anfang 40, ebenfalls einer der Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, gilt als Vorreiter der sachlichen Architektur und des modernen Industriedesigns. Im Zuge seiner umfangreichen gestalterischen Tätigkeiten für die AEG schreibt man Behrens die Erfindung des Corporate Designs zu. Sein Architekturbüro wird unter anderem dadurch bekannt, da dort neben Mies van der Rohe so bekannte Designer und Architekten wie Walter Gropius, Gründer des Bauhauses und Le Corbusier arbeiten.

Ludwigs Zukunft ist also hiermit geprägt. Architektur und Design werden zu seinem Lebenselixier. Er arbeitet unter anderem in dieser Zeit an einem Entwurf für die Deutsche Botschaft in St. Petersburg, bevor er dann 1912 mit 27 Jahren sein eigenes Büro in Berlin eröffnet.

In den Zwanziger Jahren entwirft er als Architekt eine Vielzahl von Hochhäusern, die durch die Stahlkonstruktion und die neue Bauweise, sozusagen im Stil von Stahlgerippen, ganz andere innere und äußere Räume schaffen. Diese schnörkellosen und rationalen Konzepte üben auf viele zeitgenössische Kollegen einen großen Einfluss aus, der bis heute, angepasst an die weiter fortgeschrittene technische Evolution, Bestand hat. Von Ludwig Mies van der Rohe stammt der Ausspruch. „Weniger ist oft mehr“.

1922 tritt Mies van der Rohe der „Novembergruppe“ bei, die sich im gleichen Jahr gegründet hat, in der auch 1918 die Novemberrevolution stattfand. Revolution war das Stichwort, das Umwerfen von alt hergebrachten Vorstellungen von Kunst, Design und Architektur, die Hinwendung zu Volksnäherem, Einfacherem, Praktischerem.

In den Jahren 1926 bis 1927 ist Mies van der Rohe mit der Gesamtleitung der Stuttgarter Werkbundausstellung betraut, aus welcher unter dem Motto „Die Wohnung“ die Stuttgarter Weißenhofsiedlung hervorgeht, in der es einen von ihm erschaffenen Wohnblock zu besichtigen gibt.

1929, im Alter von 43 Jahren, baut Mies van der Rohe den Deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona. Hierfür designt er unter anderem eine weltweit bekannte Serie von Möbelstücken wie den Barcelona Sessel mit Hocker, das Barcelona Day Bed, die Barcelona Bank, den Barcelona Tisch, Couchtisch und den Holztisch. Der Barcelona Sessel gehört zu den meist fotografierten und zitierten Designmöbeln der Bauhaus Ära.

1930 baut er die Villa Tugendhat in Brünn (Brno) in der Tschechischen Republik. In dieser Periode entstehen die berühmten Freischwinger Stühle „Brno“ sowohl aus Flachstahl als auch der Brno aus Stahlrohr. Die neuen Möglichkeiten, mit dem Werkstoff Stahl zu arbeiten, tragen erste Früchte. Mies van der Rohe erhebt den Anspruch darauf, der Erste gewesen zu sein, der die Flexibilität von Stahlrohr genutzt und eingesetzt hat.

1931 entstehen in diesem Sinne die Freischwinger MR 10 und der MR 20, die Chaiselounge 242, der MR Freischwinger und Armlehnstuhl sowie der Ruhestuhl und der dazugehörige Hocker.

Letztendlich kommt es zum Streit mit dem Niederländischen Designer Mart Stam sowie dem Kollegen Marcel Breuer darüber, wer denn nun der eigentliche Urheber und Erfinder des sogenannten Freischwingers ist. Mart Stam wird in letzter Instanz als Erfinder des Freischwingers erklärt.

Zusammen mit der Designerin Lilly Reich entwirft er einige der frühen Werke. Beim Barcelona Sessel soll sie mit ihren Vorschlägen für die Details die Vervollkommnung dieses Bauhaus-Klassikers abgerundete haben.

1930 übernimmt Mies van der Rohe als letzter Direktor die Leitung des Bauhauses in Dessau, bevor es auf Druck der NSDAP 1933 endgültig geschlossen wird.

1938 wandert Ludwig Mies van der Rohe in die USA aus und eröffnet in Chicago ein Architekturbüro. Parallel leitet er das Illinois Institute of Technology. In den folgenden Jahren entstehen nach seinen Entwürfen im Geiste des „Internationalen Stils“ der klassischen modernen Architektur, mit seinen minimalistischen und funktionalistischen Tendenzen, eine Reihe von Gebäuden wie das Fox River House (1945-1950), das House Farnsworth (1946-1951) in Plano, Illinois, die Lake Shore Drive Appartements in Chicago (1948-1951) und die Lafayette Parksiedlung in Detroit (1955-1963). 1958 entsteht das Seagram Building in New York. 1962 baut Ludwig Mies van der Rohe die Neue Nationalgalerie in Berlin. Die Deutsche Bundespost gibt aus diesem Anlass sogar eine 50 Pfennig Briefmarke heraus.

Ludwig Mies van der Rohe gehört zu den führender Vertretern des Internationalen Stils der Moderne und ist einer der einflussreichsten Architekten und Designer des vergangenen Jahrhunderts.

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